Juni 2023 - Uruguay/Entlang der Küste

07. Juni - 17. Juni 2023

 

In unserem Airbnb in Montevideo könnten wir eigentlich noch eine Nacht bleiben, aber für den Iveco gibt es hier keinen sicheren Parkplatz mitten in der Altstadt. Es ist bereits später Nachmittag als wir aus dem Hafen fahren, bald wird es dunkel, so checken wir noch für eine Nacht im Hotel Columbia ein, nahe dem Rio Plata und mit einem grossem Parkplatz vor dem Haus. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg, so schön wieder im Iveco zu sitzen...wir rollen dem Rio Plata entlang aus der Stadt raus mit dem Ziel UY Storage bei Soca. Drei Brüder führen dort einen Camping, haben eine Werkstatt und bieten Hilfe an bei Problemen mit dem Auto, bauen selber grosse Reisemobile und haben viel Abstellplatz für Fahrzeuge von Reisenden. Im Moment brauchen wir aber nur einen Camping. Unterwegs machen wir noch einen kleinen Grosseinkauf, füllen die Dieseltanks auf und geben auf dem Weg ins UY Storage unsere Gasflasche bei RioGas ab zum Füllen "Ihr könnt sie Morgen wieder abholen!" "Okay, super, bis dann..." (alles findet man auf dem iOverlander-App!)

Die nächsten zwei Tage sind wir beschäftigt mit einer grossen Um- und Einräumaktion im Iveco. Wir holen all die tief und speziell verstauten Sachen im Iveco wieder an die Oberfläche...bald sind wir bereit.

Viele Reisende gehen jetzt nach Hause, mit ihrem Fahrzeug oder sie lassen es hier stehen, kommen gegen den Herbst wieder und reisen weiter. Wir machen das Gegenteil und starten jetzt unsere Reise, im südamerikanischen Winter ;-). Im Camping Paraiso Suizo bei Silvia und Heinz machen wir den nächsten Halt, auch das eine sehr nette, gute Adresse und ein beliebter Treffpunkt für Reisende. Hier treffen wir Bekannte aus dem Säuliamt die in einigen Tagen nach Hause fliegen, sie müssen ihr Auto bereit machen für die Rückverschiffung. Wir verbringen einen unterhaltsamen Abend, sie erzählen von ihren Südamerikaerlebnissen und wir lauschen gespannt...das alles steht uns noch bevor und wir freuen uns! Auch der nächste Morgen vergeht mit Fachsimpeln und plaudern, einige Autos stehen hier und alle haben Spannendes zu berichten. Dann sagen wir "Tschüss zäme" und ziehen los.

Gemütlich fahren wir der dicht bebauten Küste entlang, ein Ort geht in den nächsten über, über Piriapolis nach Punta Ballena und hinaus auf den Landzipfel und Aussichtspunkt. Hier am Hang schauen wir uns die schöne Anlage des Casapueblo an, weiss getünchte Häuser mit Türmchen, Winkeln und einem herrlichen Blick aufs Wasser. Das Casapueblo wurde vom Künstler Carlos Paez Vilaro erbaut, ist einerseits ein Hotel und beherbergt daneben auch ein Museum mit vielen seiner Bilder, sehr schön! Es ist sehr windig und der Atlantik wirft seine hohen Wellen mit Wucht an die Felsen, es spritzt gewaltig und ein Nebel voller Wassertropfen zieht übers Land . Es gäbe hier beim Mirador tolle Plätze zum Bleiben, wir wären am nächsten Morgen eingesalzen, so ziehen wir doch weiter auf einen Platz mit etwas mehr Abstand zum Meer.

Also genau genommen ist das hier immer noch der Mündungstrichter des Rio de la Plata, erst bei der Landzunge von Punta del Este ist der Trennpunkt zwischen dem Rio Plata und dem Atlantik. Aber für mich ist es längst das Meer.

Schon von weitem sehen wir die Skyline von Punta del Este in den Himmel ragen, ein mondäner Ferienort, beliebt und vielbesucht im Sommer, mit einem Ruf und Angebot wie Monaco oder Miami. Mit der stabilen Wirtschaft von Uruguay ist der Kauf einer Wohnung hier für viele Latinos eine gute Geldanlage. Nun ist es ruhig und gemütlich, es ist Winter und Nebensaison, die Touristen sind fern. Wir fahren bis zum Hafen und in die Gassen des ursprünglichen Punta del Estes. Hier ist es richtig schön, der orange Leuchtturm und die hellblau gestrichene alte Iglesia de la Candelaria leuchten in der Sonne und erinnern an das Fischerdorf. Natürlich schauen wir uns auch die berühmten Finger "Los dedos" an, ein vielfotografiertes Kunstwerk am Strand. Die Finger bekommen gerade eine Maniküre und sind abgesperrt, aber wir huschen trotzdem kurz dazwischen für ein Föteli.  

Wir verlassen die Küste und fahren durch die Sierra nach Minas. Hier steht in einem Park oberhalb des Dorfes ein riesengrosser Artigas auf seinem riesengrossen Pferd, wow, cool, das gefällt uns! Angeblich soll es das grösste Reiterdenkmal der Welt sein. Wir übernachten beim Berg Arequita und haben den ganzen Campingplatz für uns, die Sonne scheint und die Temperatur ist wie im schönsten warmen Herbst.

Und schon hat uns die Küste wieder, mit Leuchttürmen, Meer, Strand und Dünenlandschaften. Der Monte de Ombues mit seinen Elefantenbäumen ist im Moment unerreichbar, die Bootstouren zu diesem Naturwunder gibt es neben der Hauptsaison nur am Wochenende. So freuen wir uns über die vielen, weit über die Weiden verteilten Palmen auf dem Weg nach Norden, sitzen auf dem Dorfplatz von Aguas Dulces beim Kafi und besuchen das Surfer- und Hippiedorf Punta del Diablo, ein spezieller Ort.

Wir haben uns entschieden dass wir keine Runde in den abgelegenen Norden von Uruguay machen, es wären weite Strecken mit nicht vielen Sehenswürdigkeiten.

So trennen uns bald nicht mehr viele Kilometer von Chuy und der Grenze zu Brasilien. Beim Fortaleza Santa Teresa wandern wir durch die alten Mauern und fragen den Ranger ob wir hier stehen bleiben dürfen für die Nacht "Natürlich, kein Problem". Glutrot geht die Sonne unter und taucht die Festungsmauern in ein oranges Licht, wunderschön diese Stimmung!

Am nächsten Morgen fahren die rund 30 Kilometer bis Chuy. Der "Aduana" von Uruguay ist vor dem Dorf, hier bekommen wir einen Ausreisestempel in unsere Pässe und ein nicht sehr motivierter Beamte an nächsten Schalter murmelt etwas vor sich hin und will uns das Papier vom TIP für den Iveco einfach wieder retour in die Hand drücken ohne etwas zu machen. Wir sagen dass wir den TIP doch ausstempeln müssen wenn wir ausreisen, worauf er sich dann doch hinter den Computer setzt, fleissig töggelt und uns schlussendlich ein Papier ausdruckt mit einem Stempel und dem Datum der Ausreise. Okay, so stimmt es.

Durchs Dorf fahren wir von Chuy-Uruguay nach Chui-Brasilien, die Dorfstrasse erstreckt sich genau der Grenze entlang und ist heute Samstag voller Betrieb. Man kann hier einfach so von einem Trottoir aufs andere wechseln und kauft entweder in Uruguay ein oder im viel günstigeren Brasilien.

Am Ende des Dorfes biegen wir zum Zoll von Brasilien ein, ein schönes, modernes Gebäude, es hat Parkplätze, alles ist gut beschriftet und die Beamten sind sehr nett. Nach einer halben Stunde haben ist alles erledigt, wir haben einen neuen Stempel im Pass und ein neues TIP für den Iveco, wir sind in Brasilien!

Der nächste Laden ist nicht weit, wir machen es kurz, so viele Leute drängeln sich hier in der Halle zwischen den hohen Gestellen und schieben übervolle Wägeli Richtung Kasse. Die meisten der Autos auf dem Parkplatz haben eine Uruguay Nummer, kein Wunder, gibt es hier in Brasilien alles viel billiger als im Heimatland.

Im iOverlander suchen wir nach einem Camping und stehen bald für unsere erste Brasilien-Nacht auf einer grünen meernahen Wiese am Dorfrand von Hermenegildo.

 

Im nächsten Monat werden wir den Süden von Brasilien erkunden und dann zu den imposanten Wasserfällen von Iguazu fahren...

 


Unsere Strecke in Uruguay vom 23. Mai - 17. Juni 2023 (Mietauto + Iveco)
Unsere Strecke in Uruguay vom 23. Mai - 17. Juni 2023 (Mietauto + Iveco)