März/April 2024 - Schweiz/Italien/Frankreich


11. März - 11. April 2024

 

Der Iveco steht fast wie neu auf dem Platz, alles ist geflickt und wieder im Lot. Jetzt geht's los auf eine Probefahrt.

Die ersten Tage verbringen wir im Tessin, der Camping in Locarno ist noch gemütlich leer, das Wetter ist schön und warm, meine Schwester ist auch im Tessin, wir wandern zusammen, sitzen an der Sonne, essen feinen Brasato im Grotto und geniessen den Frühling.

Für einen Termin fahren wir für zwei Tage ins Engadin und tauschen den Frühling kurz mit dem Winter. Der Frühling ist uns lieber. Zurück im Tessin fahren wir bald weiter entlang des Lago Maggiore nach Italien und zum Ortasee. Uns gefällt die kleine Halbinsel mit dem Hügel Sacro Monte di Orta und dem kleinen Dorf Orta San Giulio. Den Nachmittag verbummeln wir dort und machen mit dem Schiff einen Ausflug zur kleinen Insel San Giulio. 

Auf vielen schönen Nebenstrassen zwischen Haselnussplantagen und viel Reben geht es die nächsten Tage südwärs durch's hügelige Piemont, dann überqueren wir die Ligurischen Alpen und sind an der Küste, vor uns erstreckt sich das Meer, wie schön! Wir nehmen die Küstenstrasse Richtung Frankreich, es ist März und schon so ein geschäftiges Treiben und Gewusel in all den Städtchen, so viele Leute sind unterwegs, alle Parkplätze sind voll, unglaublich. Vor der Grenze machen wir einen Talabstecher zum ruhigen, hübschen Dorf Dolceacqua mit seinem Castello, hier ist's gemütlich, inklusive schönem Nachtplatz am Dorfrand.

Und schon sind wir in Frankreich…das Städtchen Menton gleich an der Grenze gefällt uns, hier waren wir schon mal und stoppen wieder. Noch einmal möchte ich die schöne orange Treppe hoch steigen zur Kirche, ein Blick zurück aufs Meer werfen, durch die Gassen schlendern und eine Zitronengonfi kaufen, schliesslich ist Menton das Zitronenstädtchen. In einem Free-Shop decken wir uns mit einer Sim-Karte ein, für 20 Euro gibt es 210 GB für einen Monat, perfekt für uns.

Für die Strecke Richtung Nizza wechseln wir auf die schnelle Strasse „obe dure“, immer wieder gibt es tolle Ausblicke und schon bald biegen wir ab zum Camping „Vieille Ferme“ ein Stück südlich von Nizza. Hier bleiben wir drei Nächte, spazieren durch den grünen Park de Vaugrenier bis zum nächsten Bahnhof und können bequem per Zug nach Nizza fahren. Das Städtchen gefällt uns sehr gut, die Promenaden am Meer und durch den Park, die engen bunten Gassen, der farbige Märt, der tolle Blick vom Burghügel auf die Stadt und den Hafen, wow! Am nächsten Tag wandern wir gleich vom Campingplatz los bis nach Antibes, schön ist der Hafen mit den vielen grossen, schicken Jachten und das Zentrum von Antibes. Auch hier ist gerade Märt und ein kleines, nettes Café ist schnell gefunden, so gemütlich, chli höckle und schauen und etwas trinken. Das Wochenende naht…bis am Freitag ist der Campingplatz halb leer, und bis am Samstagabend füllt er sich bis gefühlt auf den fast letzten Platz, es ist eine Woche vor Ostern und in einigen Ländern ist schon Osterferienzeit.

 

Für uns Zeit um im Hinterland auf Entdeckungstour zu gehen. Wir fahren nordwärts, weg von der Küste, auf schönen Strecken geht es die nächsten Tage Richtung Verdon Canyon, durch Berggebiet, Täler und vorbei an urchigen Dörfern, von denen aber viele noch im Winterschlaf stecken. Von Castellane fahren wir über Trigance und auf der südlichen Panormastrecke entlang der langen und tiefen Verdonschlucht. Es ist noch nicht viel los in dieser Gegend, wir sind fast alleine unterwegs und viele der zahlreichen Campingplätze sind noch geschlossen. Leider versteckt sich die Sonne hinter den Wolken, es ist grau und kalt, aber auch so sind die Ausblicke in die Schlucht wunderschön und eindrücklich, so tief unten fliesst die Verdon. Bis wir in Aiguines sind stürmt es immer mehr, wir finden einen Nachtplatz unterhalb des Dorfes und lauschen die halbe Nacht dem Rauschen des Windes und dem Prasseln des Regens. Am nächsten Morgen rollen wir von Aiguines aus ein Stück entlang des Lac de Sainte-Croix. Gestern schon haben wir einen Blick auf den See erhascht, kurz schickt die Sonne nun ein paar Strahlen auf das Wasser, wir erahnen wie herrlich Türkis der See leuchtet bei Sonnenschein pur. Wir fahren ein Stück auf der nördlichen Route bis zur Kreten-Runde, diese Rundtour biegt in La Palud-sur-Verdon ab und endet auch wieder dort. Aber wie es so ist wenn man nicht richtig liest - man fährt in eine Sackgasse - etwa auf halber Strecke zeigt eine Tafel dass die Strasse ab hier nur noch als Einbahnstrasse geführt wird, wir stehen auf der falschen Seite - also zurück. Retour im Dorf besuchen wir das Dorflädeli, kaufen feinen Honig und nehmen dann den zweiten Abzweiger zur Schlucht. Jetzt haben wir freie Fahrt, die Schlucht aber meint es heute nicht gut mit uns, schon wieder taucht ein Schild am Strassenrand auf mit der Info dass ab drei Kurven weiter die Strasse vorübergehend gesperrt ist. Na, dann soll es nicht sein. Mittlerweile regnet es in Strömen, es ist schon später Nachmittag, wir bleiben hinter der nächsten Kurve stehen und verbringen hier eine ruhige Nacht.

Retour und rund und um den farbigen Lac de Sainte-Croix geht es weiter bis nach Quinson. Wir parkieren den Iveco auf dem Stellplatz am Dorfrand, wandern auf einem Schluchtenweg entlang der schönen Verdon, erklimmen den Hügel und spazieren gemütlich zurück übers Hochplateau, es ist schön und warm, überall blüht es, und zurück im Dorf finden wir sogar ein offenes Restaurant für eine Kafipause, ein herrlicher Tag. 

An Ostern stehen wir auf dem Camping Moulin des Iscles bei Roquebrune-sur-Argens, der Iveco steht auf einem Plätzchen gleich am Fluss L’Argens. Leider regnet es und regnet weiter, wir bleiben zwei Nächte stehen, immer den Pegelstand des Flusses im Blick, dieser steigt und steigt…wir machen es uns drinnen gemütlich, aus der Omnia duftet es verführerisch, unser Osterzopf ist am Backen, mmhhh. Der Fluss bleibt in seinem Bett, der Regen hört auf, wir lenken den Iveco weiter über schmale Bergstrassen, immer in der Höhe, Richtung Küste, wunderschön! 

In Collobrières möchten wir ins Städtchen, wir steigen aus, Beat runzelt die Stirn und meint „Was riecht hier so nach Diesel?“. Schnell kriecht er unter den Iveco und hat auch schon das Leck gefunden, unsere Dieselleitung seicht! Die Leitung ist über eine Metallkante gescheuert, nicht das erste Mal, und hat nun ein kleines Loch. Ich hole unsere Ersatzteilkiste heraus und klaube die Verbindungsstücke hervor, seit dem letzten gleichen Vorfall haben wir diese dabei. Das Problem ist, dass man kaum rankommt an diese Leitung. Mit Mühe und Not schafft es Beat die Dieselleitung tief im Untergrund entzwei zu schneiden, das Verbindungsstück zu platzieren und die Leitungsenden auf beiden Seiten wieder gut festzustecken, jehhh, alles wieder dicht! In dieser Gegend, wie auch sonst in Frankreich, gibt es viele Kastanienbäume, und beim Bummeln durch Collobrières entdecken wir einige Lädeli mit feinen Marroniprodukten, mhhh...sogar eine spezielle Confiserie gibt es hier mit nur glasierten Marronis, aber unser Favorit ist dann doch klar die Marronigonfi.

 

Aus der Einsamkeit der Berge sind wir nun wieder im bunten Treiben am Meer. Wir sind in der Nähe von La Londe-les-Maures und machen uns auf zu einer Küstenwanderung auf dem Sentier Littoral T1, vom Plage de l’Estagnol zum Plage de Cabasson, eine echte Herausforderung! Die Gegend ist herrlich, die Küste auch, die Strände auch, aber vermutlich durch viel Sturm und Regen kürzlich sind Teile des Weges fast unpassierbar. Wir klettern über viele Steine, hangeln uns den steilen Hängen entlang, waten durch oder versinken in dicken triefenden Polstern von Seegras, beobachten die Wellen und sprinten ein Stück um einer Meeresdusche auszuweichen (Beat erwischt es dann doch), zwischendurch gibt es wieder ein bisschen intakter Weg…puhhh, eine abenteuerliche Wanderung. Wir können nicht mal eine Abkürzung nehmen, es gibt keinen Abstecher weg von der Küste weil alles angrenzende Land eingezäunt und Privat ist, umkehren ist auch keine Option mehr, so schlagen wir uns tapfer durch bis zur Bucht vom Cabasson. Für den Rückweg suchen wir uns eine Strecke obe dure, schön war es trotzdem.

Wir düsen bis zur Halbinsel Giens und peilen einen Campingplatz im Westen des Inselchens an. Wow, so viel los hier, das ist ein Suferparadies. Beim Nachfragen auf dem Camping heisst es, Sorry, alles voll, aber wir sollen doch, falls wir nichts brauchen, bis in eine andere Ecke, nach Tour Fondue fahren, dort hat es einen grossen Parkplatz auf dem man 24 Stunden stehen darf. Das machen wir und finden problemlos ein schönes, ruhiges Plätzli auf dem grossen Wiesenparkplatz. Uns gefällt es hier, wir spazieren zum Hafen, sitzen gemütlich im Café mit Blick auf die Festung und beobachten das Treiben. Von hier aus fahren die Schiffe zur Insel Porquerolles, somit ist es ganz spannend, ein ständiges Kommen und Gehen.

Unser nächstes Ziel ist die Corniche des Cretes zwischen La Ciotat und Cassis, eine spektakuläre Strecke! Hoch über dem Meer schlängelt sich die kurvenreiche Strasse entlang der Steilküste und vorbei beim Cap Canaille, der höchsten Klippe Frankreichs. Überall gibt es tolle Aussichtspunkte und auch bei jedem Punkt genug Platz zum Anhalten, sogar mit dem Iveco, sehr schön! 

Byebye Küste…es geht langsam nordwärts, durch den Parc des Alpilles, über Saint-Rémy-de-Provence und nach Les Baux-de-Provence. Und hier in Les Baux besuchen wir neben dem schönen kleinen Dorf mit seinem Chateau und den vielen Lädeli auch das Kunstzentrum Carrières de Lumières. In den riesigen unterirdischen Steinbrüchen von Les Baux kann man eintauchen in eine wunderschöne Licht-und Tonshow. Hunderte Videoprojektoren porjizieren auf einer Fläche von über 7000 m2 Darstellungen von Meisterwerken verschiedener Künstlern/Malern auf die grossen, hohen Wände, Säulen und Böden. Gespannt spazieren wir im Dunkeln umher oder sitzen auf einer Steinbank, und erleben eine herrliche Show mit ständig wechselnden, ineinander fliessenden Bildern von verschiedenen Künstler, alles umrahmt von der passenden Musik, eine magische Atmosphäre und ein spezieller Ort, wunderschön ist diese Inszenierung!

 

Bei der berühmten Pont du Gard in der Nähe von Avignon war ich schon einmal. Als wir wieder zuhause sind habe ich in meinem Fotoalbum von früher gekramt und Bilder gefunden, es war im Jahr 1977 mit meinen Eltern und einem meiner Brüder, uiii wie jung ich damals war, gerade mal 13 Jahre alt. Man durfte zu dieser Zeit sogar noch ganz oben über die hohe Steinbrücke laufen. 

Die Pont du Gard ist ein Aquädukt, ein Wasserkanal und fast 50 Meter hoch. Sie zählt zu den wichtigsten Brückenbauwerke von Frankreich aus der antiken römischen Welt und wurde im 1.Jh. nach Christus erbaut.

Nun bin ich nochmals an diesem Ort, ein schöner Fleck hier mit viel Platz zum Sein am Fluss. Wir spazieren über die Brücke, sitzen und schauen, so gemütlich ist es hier in dieser romantischen Fast-Abendstimmung. Kinder spielen, rennen und schreien, die Grossen plaudern, viele sitzen am Fluss, packen ihr Picknick aus, hüpfen über die Steine, knipsen Fotos, lachen und werfen sich in Postition, Hunde bellen und springen ins Wasser, Hufgetrappel ertönt, zwei Wanderreiterinnen überqueren die Brücke, eine bunter Musiktrupp übt für einen Auftritt am Abend…so friedlich die Stimmung. Heute möchten wir nicht auf den Camping, wir fahren noch ein Stück weiter und können uns im kleinen Dorf Pouzilhac unter die Stadtmauer stellen.

Bei Aiguèze sind wir auf der einen Seite der Ardècheschlucht. Hier gibt es einen grünen Stellplatz oberhalb des Dorfes, wir parkieren den Iveco und machen uns auf zu einer kleinen Wanderung ums und durchs Dorf, wir finden auch einen kleinen Laden mit allerlei feinen Sachen aus der Region, Zustupf fürs Znacht. Am nächsten Morgen starten wir früh, wir möchten durch die Ardècheschlucht fahren bevor alle unterwegs sind, es ist Wochenende. Die Strecke ist superschön, kurvig geht es in der Höhe der Schlucht entlang inklusive vieler toller Ausblicke. Auch viele Höhlen gibt es in dieser Gegend, einige kann man besichtigen, aber so zeitig am Morgen ist alles noch geschlossen. Ein Highlight ist der Pont d’Arc, ein Steinbogen der sich über den Fluss spannt. Hier ist man nicht mehr in der Höhe unterwegs, sondern kann bequem dem Fluss entlang bis zur Pont d’Arc spazieren. Ein Stück weiter reiht sich Campingplatz an Campingplatz, im Sommer wird hier viel los sein, kein Wunder, so schön wie die Ardèche und die Gegend hier ist.

Es zieht uns Richtung Schweiz, bald ist unsere kleine Ferienzeit vorbei. Das Wetter ist regnerisch und grau, so geht's für uns noch ein bisschen schneller als geplant nordwärts, über schöne Nebenstrecken bis nach Genf, weiter durch den Jura, das Emmital, Entlibuech nach Luzern und nach Hause ins Säuliamt.

Schön war sie, unsere Frankreich-Runde! 

 

Und der Iveco läuft wie ein Örgeli, keine Alarme, keine Fehlermeldungen auf dem Display, keine Notläufe, er schnurrt vor sich hin wie sich das gehört - wir haben auch nichts anderes erwartet nach der Reparatur in der Garage Ronner - jetzt ist alles gut, der Iveco wieder auf der Höhe, unser Vertrauen ist zurück!

 

Wir planen die nächste Reise: im Herbst 2024 kehren wir nochmals zurück nach Südamerika!

 


Unsere Strecke im März/April 2024
Unsere Strecke im März/April 2024