August 2025 - Argentinien/Im Nordwesten

09. August - 21. August 2025

       

In Chilecito gibt es etwas zu bestaunen, und zwar die alte Transportbahn der Mine „La Mejicana“, ein damals gigantisches Bauwerk. Die Bahn wurde im Jahr 1903 eröffnet und verband Chilecito mit der Goldmine Mejicana auf 4400 müM, diverse Länder waren am Bau beteiligt, im 1926 wurde sie wieder stillgelegt. Vor dem Bau der Bahn musste das ganze mineralische Gestein per Maulesel ins Tal hinunter transportiert werden weil es oben am Berg kein Wasser und kein Holz gab um es auszuwaschen. Mit dem Bau der 34 Kilometer langen Seilbahn wurde vieles einfacher. Sie überwand eine Höhe von 3300 Metern, war mit 450 kleine Waggons bestückt, jeder Waggon konnte mit 250 Kilogramm Material beladen werden und mit einer Geschwindigkeit von 8 kmh dauerte es 4 Stunden für jedes Wägeli bis es in Chilecito unten ankam. Schnurgerade reihen sich nach wie vor die alten Eisenmasten vom Dorf her zum Berg hoch. Wir kurven ein Stück aufwärts bis zur 2. Station, diese kann besichtigt werden und zeigt die Überbleibsel dieser alten Mine. Weiter nördlich soll es eine rauhe Piste geben die hinauf führt zur letzten Station der Mine, im Tal liegt auch der Ocre Canyon. Wir möchten diesen besuchen und ev. ein Stück der alten Piste folgen. Aber vor dem Canyon müssen wir an einer Barriere stoppen und ein junger Mann erklärt uns, dass es ab hier, anscheinend neu, nur mit einem Guide zum Canyon geht. Okay, die nächsten Canyons warten…schon am Abend folgt einer und lässt uns ruhig am Fluss unter einem hellen Mond mit vielen Sternen träumen. 

In Fiambala fahren wir zur wunderschönen Therme in den Bergen. Wir holen uns ein Ticket bei der Touristeninfo und düsen die 17 Kilometer hoch zu den heissen Quellen. Wow, ganz speziell schön ist es hier! Angelegt zwischen Felsen gibt es auf diversen Stufen Badebecken, jedes mit einer anderen Wassertemperatur. Wir tauchen in den 40 Grad Pool ein und geniessen das herrlich warme Wasser, etwas später findet sogar die Sonne den Weg in den Canyon und wärmt uns mit. Wir folgen der Strasse Richtung Pass San Francisco, über den Pass nach Chile möchten wir nicht, sondern einen Abstecher machen zum Balcon del Pissis. Auf dem Weg liegt der Canyon Indio, an einer Stelle stehen die Felswände so nahe dass es fast wie in einem der Slotcanyons in den USA ist, cool. Die Wärme staut sich im Canyon, wir können kurzarm laufen und haben immer noch warm. Sonst ist es aktuell kalt, in den Nächte oft nahe dem Gefrierpunkt und am Tag so Pulli- oder Jäggliwetter. Je höher wir sind desto mehr bestimmt noch der Winter das Wetter, so auch auf der Strecke zum Balcon del Pissis. Schnell tauschen wir die farbig gelben Hänge mit Bergen voller Schneeflecken, ziehen schon mal die Mütze über den Kopf und die warme Jacke an. Die Piste ist gut unterhalten und geschürft, sie führt auch zu einer Mine hinten im Tal. Vorbei an Lagunen geht es in die Höhe, wir erklimmen den letzten Hügel, parkieren oben auf diesem Balkon auf 4500 müM und sind begeistert über den Ausblick, wow! Unter uns breiten sich in diversen Farben die Lagunen aus, es schimmert blau und weiss, oder in schönen Erdtönen, im Hintergrund erheben sich die Berge. Wir bleiben eine lange Weile, Touren-Jeps kommen und gehen, irgendwann gehen auch wir, in dieser Höhe möchten wir im Moment nicht übernachten. Zurück auf der Passtrasse verschlaufen wir uns hinter roten Felsen und sind echt müde an diesem Abend. 

Wir machen eine Schlaufe „unde dure“ und dann wieder nordwärts über Belén nach El Penon, ein kleines Dorf in der Puna-Hochwüstenlandschaft. Hier verstecken sich einige Schönheiten. Eine abenteuerliche Piste führt uns bis zur riesigen Caldera des Vulkans Galan und der Lagune Diamante. Kilometerweit fahren wir durch den Vulkankrater, überqueren einen gefrorenen Fluss, nehmen einen anderen Weg retour über viel Gestein und fast pistenlos, immer begleitet von wunderschöner Landschaft. Es begegnen uns Füchse in dieser unwirtlichen Gegend, sie rennen uns nach, kaum stoppt Beat kommen sie ohne Scheu und wohl voller Hoffnung auf Futter zur Fahrertüre, aber Wildtiere sind Wildtiere. 

Am nächsten Tag umrunden wir den Vulkan Carachi, verweilen an der schönen gleichnamigen Lagune, beobachten die Flamingos die stolz durch’s Wasser waten und ständig den Kopf ins Nass eintauchen auf der Suche nach einem Leckerbissen. Still und friedlich ist es hier, ein zartes Lüftchen weht, wir hören die Vögel, die Sonne scheint und lässt die Farben rund um uns leuchten, wunderschön, man möchte gar nicht mehr weg. Über Lavagestein sucht die Piste sich den Weg, wir folgen ihr, eine Ebene ist zu überqueren bis zum nächsten Highlight, den coolen Bimssteinfelsen von Piedra Pomez. Der Wind nimmt zu, schon bläst es böenartig Sand durch die Luft…hmmm, unser Wetterbericht hat für heute nicht sehr viel Wind angezeigt. Beim riesigen Feld von Piedra Pomez fahren wir ein Stück entlang, wandeln zwischen den Steinen, blicken über die Sandwüste und machen uns dann zügig auf den Rückweg Richtung El Penon. Der stürmische Wind ist schneller als wir, wir werden tüchtig eingesandet, der Iveco wird sandgestrahlt und kämpft sich durch die Böen, der Weg verschwindet wie in einem wilden Schneesturm. Glücklich zurück im Dorf stellen wir uns auf den Nachtplatz von gestern, hier stehen wir geschützt und warten auf Morgen. 

Ein neuer Tag, die Luft ist wieder fast rein, wir fahren weiter bis nach Antofagasta de la Sierra, vorbei an den schönen schwarzen Vulkan Alumbrera und Antofagasta. Der Wind nimmt wieder zu, wir bleiben im Dorf stehen und machen uns einen gemütlichen Nachmittag, das Windy-App verspricht gute Aussichten für den nächsten Tag. Ab hier gibt es keinen Teer mehr, die Punagegend wird einsam und soll voller Naturwunder sein, wir freuen uns! 

Am Morgen rollen wir aus dem Dorf, es ist kalt und sonnig, ein Geräusch aus den Tiefen des Ivecos lässt uns aufhorchen, kaum aus dem Dorf stellt der Motor aus dem Nichts einfach ab. Wir starten neu, es wiederholt sich, und nochmals. Beat kriecht unters Auto, was stimmt da nicht, etwas im Dieselkreislauf? Zum Glück haben wir noch Empfang, Beat greift zum Telefon und ruft zuhause an bei unserem Mechaniker von Ronner Iveco. Zusammen und verbunden per Telefon wird studiert und getestet, das Fazit von Reto: die Dieselpumpe funktioniert nicht mehr! Ojehhh! Eine neue muss her, wie und woher auch immer, dieses Ersatzteil haben wir nicht dabei. Wir können in mehreren Anläufen und ganz langsam zurück ins Dorf fahren, zur Werkstatt der Gemeinde.

Die nächsten zwei Tage herrscht ein grosses Durcheinander...es heisst wir müssen nach Belen, in den nächsten grösseren Ort, um eine Dieselpumpe zu bekommen. Dann stellt sich heraus dass es dort keine gibt.

Unsere Helfer finden eine Dieselpumpe in Catamarca, es wird telefoniert und organisiert, bis am Abend spät soll die Pumpe per Uber die 550 Kilometer zurückgelegt haben und hier in Antofagasta sein. Wir verbringen den Tag im Dorf,  shoppen ein bisschen, essen ein feines Milanese zum Zmittag, sitzen an der Sonne...und warten. Es ist dunkel und spät am Abend als der junge Mann in Antofagasta ankommt und uns die Dieselpumpe bringt. Die Pumpe ist nur eine "similar" von unserer, der Anschluss auf einer Seite passt nicht zum Durchmesser unseres Dieselschlauch...und kann am anderen Morgen nicht eingebaut werden. Was nun? Der Chef verschwindet mit unserer ausgebauten, defekten Dieselpumpe, dann kommt er wieder und lacht "Ich habe sie gereinigt und durchgespült, es war Dreck im Filter!" Er baut sie wieder ein und meint, nun ist es gut. Was, nun plötzlich so einfach...wir machen eine Probefahrt, und siehe da, es läuft. Hoffen wir es bleibt so!

 

Für uns geht es weiter durch die Puna...

         


Unsere Strecke vom 09. August - 21. August 2025
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