Oktober/November - Chile/Auf der "Ruta Andina" südwärts

29. Oktober - 07. November 2025

 

Die Tage im Städtchen Arica und am Meer haben wir genossen, nun fahren wir wieder aufs Altiplano, in die Höhe. Stetig aufwärts führt uns die Teerstrasse ins kleine Dorf Putre, am Abend sind wir schon wieder auf einer Höhe von knapp 3600 müM. An die verschobene Zeit haben wir uns noch nicht ganz gewöhnt, für uns war der frühe Sonnenaufgang am Morgen um 5 Uhr und der frühe Sonnenuntergang perfekt, nun bleibt es bis um 7 Uhr dunkel, wir müssen also länger schlafen am Morgen ;-). 

Von Putre aus machen wir einen Abstecher zu den rund 60 Kilometer entfernten Bergen von Suriplaza. Schon von weitem sehen wir es rot leuchten, dann sind wir in diesem Kessel und umzingelt von wunderschönen Bergen in rot, orange, beige, braun…ein Traum, mein Herz macht wieder mal einen Riesenhüpfer vor Begeisterung und ich schicke einen freudigen Juchzer in den Himmel! Kein Mensch ist hier, nur wir. Eine schmale Piste führt noch ein Stück höher, hier stehen wir auf genau 5000 müM und haben eine tolle Rundumsicht. Stunden später machen wir uns auf den Rückweg, übernachten nochmals in Putre und fahren am nächsten Tag Richtung der Grenze zu Bolivien, bis zum See Chungara. Mächtig steht der imposante Vulkan Parinacota mit seiner weissen Schneekappe in der Landschaft, dahinter versteckt sich der kleinere Vulkan Pomerape, es gibt ein Bilderbuchfoto mit dem Lago Chungara im Vordergrund. Über die Grenze möchten wir nicht, nein, wir biegen hier ab und folgen die nächsten Tage der „Ruta Andina“ Richtung Süden. Die Strecke verläuft stets mehr oder weniger nahe entlang der bolivianischen Grenze, zwischen Bergen, Vulkanen und Lagunen, rund 700 Kilometer sind es von hier bis nach Calama in der Nähe von San Pedro Atacama, unserem Ziel. 

Auf dem ersten schönen Abschnitt sind einige Lastwagen unterwegs, später merken wir dass diese alle von der Mine am Salar Surire kommen, dort ist einiges los, es wird gegraben und geerntet, viele Maschinen und Lastwagen bewegen sich auf dem Salar und drehen alles um. Etwas weiter hinten am Salar ist es aber wunderschön, Flamingos stelzen durchs Wasser und die Natur ist noch intakt. Wir überqueren den Pass Picavilque mit 5080 Meter Höhe, die weitere Landschaft verzaubert uns und der Salar Huasco ist ein Juwel. Hier möchten wir eine Nacht verbringen, wir wissen dass im Grenzgebiet besondere Vorsicht geboten ist, der Ort hier am Salar erscheint uns aber als ein guter Ort. Den Nachmittag verbringen wir am Salzsee, auch einige Touristen sind unterwegs, wir bleiben, eine Grenzpatrouille stoppt neben dem Iveco, es klopft an der Tür und die zwei Polizisten fragen wohin wir fahren und was wir vorhaben „Es ist gefährlich hier in der Nacht, oft treiben sich Bolivianer in der Gegend rum, wollen mit Waffengewalt Autos stehlen, schmuggeln Waren und Drogen über die Grenze, wir möchten euch nichts vorschreiben, es ist eure  Entscheidung zu bleiben oder nicht, aber wir empfehlen euch zu unserem Polizeiposten zu fahren und dort zu parkieren.“ Okay, natürlich nehmen wir die Warnung ernst, fahren die 50 Kilometer und schlafen ganz ruhig neben dem Polizeigebäude mit dem Polizeilama als Nachbar. Am Morgen sagen wir „Gracias por aparcar aqui!“ und weiter gehts. Wir machen bald eine kurze Pause für ein Telefon, schon wieder hält ein Fahrzeug neben uns, es ist das Militär „Was macht ihr und wohin wollt ihr? Fahrt bald weiter, es ist nicht sicher hier.“ Am Tag nicht mal sicher, hhmmm? Den Rest der Strecke bis Ollagüe fahren wir an einem Stück, ein spezielles Dorf mit einem Bahnhof wo noch Züge verkehren. Südlich von Ollagüe liegt der Salar Carcote, auf der westlichen Seite des Salars gibt es einen schönen, gepflegten Picknickplatz mit Häuschen, Tischen, Bänken und einer Quelle mit einem eingefassten runden Pool, leider nur mit kaltem Wasser. Hier bleiben wir, fühlen uns richtig sicher und verweilen auch am nächsten Tag. Vögel kreischen, es gibt Frösche in den Wasserläufen bei der Quelle, Vicunas weiden neben uns, der Blick über den Salzsee ist herrlich, gegenüber erheben sich Vulkane, der Vulkan Ollagüe raucht vor sich hin, ein langer Zug fährt weit entfernt ganz langsam über den Salar, Ruhe pur um uns und in uns, genau richtig für einen Pausentag! 

In einem Schnuz nehmen wir die restlichen Kilometer unter die Räder, über Calama erreichen wir San Pedro de Atacama, hier schliesst sich ein Kreis, hier waren wir schon einmal, von San Pedro aus sind wir im September über die Grenze nach Bolivien gefahren und auf die wunderschöne Lagunenroute.

 

Unsere Wochen sind gezählt, wie nutzen wir die Zeit noch, welche Route schlagen wir ein? Hhmmm…alles der chilenischen Küste entlang fahren möchten wir nicht, wann, wenn nicht jetzt können wir die Andengegend noch voll auskosten? Das was uns so gefällt! Unser Entschluss steht fest, wir fahren ab hier ein grosses S, dieses führt uns zurück über den Jamapass nach Argentinien, südwärts auf anderen Strecken nochmals durch die eindrückliche Punagegend, anschliessend über den Paso San Francisco wieder nach Chile…das ist der erste Teil vom S, alles weitere später ;-)!

 


Unsere Strecke vom 29. Oktober - 07. November 2025
Unsere Strecke vom 29. Oktober - 07. November 2025