14. Dezember 2025 - 05. Januar 2026
Von Buenos Aires fliegen wir nach Ushuaia, schöne Erinnerungen kommen auf, noch einmal hier zu sein in dieser südlichsten Stadt von Argentinien, das hätten wir nicht gedacht, aber manchmal ändern sich Gedanken und Pläne. So sind wir nun hier, tief im Süden und gehen auf eine Schiffstour während der Iveco auf dem Weg nach Hamburg ist.
Nach einer Nacht in Ushuaia gehen wir an Bord der Ocean Victory. Langsam gleitet das Schiff im Abendlicht durch den Beaglekanal, erreicht das offene Meer und nimmt Kurs Richtung Falklandinseln. Der Wind nimmt zu, die Wellen auch, so wird die erste Nacht schon ein wilder Ritt. Die nächsten 17 Tage schippern wir über die Falklandinseln bis nach Südgeorgien, weiter zu den südlichen Shetlandinseln, ins Eis der Antarktis und durch die wilde Drakepassage zurück nach Ushuaia.
Leider fallen die ersten zwei Landgänge mit den Zodiacs plus Wanderungen über die Inseln im Westen von Falkland aus. Zu hoch sind die Wellen, die Zodiacs können nicht zu Wasser gelassen werden, schade. So spazieren wir am nächsten Tag durch Stanley, dem Hauptort auf den Falklandinseln, alles ist very British hier, wie die rund 3700 Einwohner zählende Bevölkerung auch. Nach vielen Kämpfen um die Inseln ist Falkland heute ein britisches Überseegebiet, Argentinien erhebt aber nach wie vor Anspruch auf das Gebiet.
Wir segeln weiter nach Südgeorgien. Wir würden eher sagen „das Schiff fährt weiter“, aber hier an Bord und in Englisch reden sie immer von „we sail“, das finde ich schön, so „segeln“ wir hier im Blog auch.
Was wir in South Georgia an Tieren sehen ist grandios, riesige Kolonien von Keiserpinguinen, Macaronipinguine, Robben, Seeelefanten, Albatrossen und sonstige Vögel. Die ganze Insel ist mystisch und gross, voller Berge, Gletscher, schöner Küstenstreifen und vielen Tieren. Wir machen Zodiactouren entlang der Buchten, beobachten die Tiere vom Wasser aus oder landen mit dem Zodiac an und dürfen die Tiere von nahe sehen, einmalige Blicke!
Unsere Jacken, Hosen, Rucksäcke etc die wir auf einem Landausflug tragen werden aufs Genauste auf Sauberkeit kontrolliert, die Stiefel immer wieder gut geputzt und desinfiziert, kein Samen oder Dreck darf mit an Land kommen oder zurück, es herrschen strenge Vorschriften und Kontrollen, auch mit dem Bewegen an Land, dem Abstand zu den Tieren, das Gebiet hier ist ein riesiges Naturschutzgebiet.
Wir besuchen Grytviken, eine ehemalige und historische Walfangstation, die 1966 aufgegeben wurde. Die Robben, Seeelefanten und Pinguine am Strand lassen sich nicht stören als wir aus den Zodiacs klettern und an Land gehen. Wir haben Zeit und spazieren zum Friedhof, hier liegt Ernest Sheckleton begraben (seine Geschichte folgt). Im kleinen Dorf gibt es viel rostiges, löchriges Eisen, alte Tänke, gestrandete Schiffe, Maschinen aus der früheren Walfangzeit, und aus der heutigen Zeit einen Shop mit Souvenirs, eine Poststation, das kleine schöne South Georgia Museum und sogar eine Kirche steht imposant hinter dem Dorf. In Grytviken leben zeitweise rund 40 Personen, es sind Forscher und britische Mitarbeiter, ständige Bewohner gibt es hier nicht.
Von dieser weit entfernten Insel in der wilden Scotia Sea segeln wir nun weiter zur Elephant Island, die Insel gehört zur Gruppe der südlichen Shetlandinseln.
Auf dieser Route war auch Ernest Shackleton mit seiner Mannschaft und dem Schiff Endurance im Jahr 1914 unterwegs und hat Geschichte geschrieben, von Führungskraft, Mut, Entschlossenheit und Ausdauer.
Vielleicht interessiert euch die spannende Kurzfassung:
Nachdem Amundsen im Jahr 1911 als Erster den Südpol erreichte, suchte Ernest Shackleton ein neues Abenteuer, er wollte nicht nur den Südpol erreichen sondern auch durchqueren. Mit dem mächtigen, für polare Bedingungen gebaute Schiff Endurance stach Shackleton und seine Mannschaft Anfang Dezember 1914 in See. Von den Falklandinseln segelte er weiter nach South Georgia und Richtung Südpol. Bald nach dem Verlassen von South Georgia trafen sie auf Packeis, nur mühsam kamen sie noch voran. Am frühen Morgen des 15. Februars 1915 hallten laute Rufe durch die Stille des Eises, Shackleton trat aufs Deck, nach einem Blick in die besorgten Gesichter seiner Männer wusste er was los war: sie waren gefangen, kalt und bedrohlich umschloss ein dicker Eispanzer die Endurance, es gab kein Vor und Zurück mehr und der antarktische Frühling war noch weit entfernt. Es folgten harte Monate mit Kälte, Enge, Dunkelheit und Angst. Ende Oktober 1915 musste Shackleton einen schweren Entscheid treffen um sich und seine Mannschaft zu retten, „Alle Mann von Bord“ war sein Befehl. Die Endurance wurde mehr und mehr vom starken Eis zerdrückt und versank am 21. November 1915 in den eisigen Fluten der Antarktis. Die Männer richteten ein Lager ein, harrten aus und hofften auf Rettung mit dem Frühling. Mitte Dezember erkannte Shackleton in welcher Gefahr sie waren auf dem Eis auf dem sie ausharrten, es schmolz zunehmend ab. Zu Fuss und mit den drei Beibooten der Endurance in Schlepptau marschierten sie nach Westen. Ende Dezember wurde das Weiterkommen von dickem Eis unterbrochen, die Männer errichteten ein neues Camp, ihre grosse schwimmende Insel wurde immer kleiner, von einer Strömung erfasst und liess sie Anfang April 1916 auf Elephant Island stranden. Shackleton war klar dass sie hier nicht auf Rettung hoffen konnten. Der Proviant ging zur Neige, aber zum Glück gab es genug Robben und Pinguine zum Jagen und Süsswasser zum Trinken. Der nächste antarktische Winter zog ins Land, die Männer waren am Ende, die Moral am Boden. Shackleton entschied den Versuch zu wagen mit dem kleinen Walboot der Endurance, der James Caird, bis nach South Georgia zu gelangen um Hilfe zu holen. Es war die einzige Möglichkeit die ihm blieb um dem Tod zu entrinnen. Die Hoffnung all seiner Männer lag auf ihm und seiner Entscheidung. Mit einer 5-köpfigen Crew stach er in See, auf der knapp 7 Meter langen James Caird, 750 Seemeilen, rund 1300 Kilometer, lagen vor ihnen bis nach South Georgia. Die See war rauh und unerbittlich, die Wellen hoch, das Wetter schlimm, es war bitterkalt, die Männer wurden nass bis auf die Haut, froren fürchterlich und waren in ständiger Angst dass das kleine Boot kentern und untergehen könnte. Die Navigation war schwierig, da die Sonne nur kurz auftauchte, aber sie gaben nicht auf und schafften es das Boot auf Kurs zu halten, es war ein Höllenritt. Schliesslich, am 08. Mai 1916, nach 16 Tagen, kam Land in Sicht, sie hatten Südgeorgien erreicht und schafften es anzulanden an der wilden steinigen Küste. Zwei Männer blieben beim Boot zurück, sie waren zu geschwächt, zu fünft machten sie sich auf um Rettung zu holen. Ganz ohne Karte und das heutige Google Maps fanden sie den Weg über Berge und Gletscher und erreichten nach 36 Stunden Stromness, eine sichere Walfangstation. Shackletons Gedanken aber waren bei seinen zurückgelassenen Männern auf Elephant Island, nichts wäre gewonnen würde seine Mannschaft auf diesem kargen Felsen erfrieren. Weder mit dem ersten, noch mit dem zweiten Schiff das zur Rettung losfuhr konnte Shackleton Elephant Island erreichen. Dann kam ihm Louis Pardo mit seinem Dampfschlepper Yelcho zu Hilfe, zusammen schafften sie es endlich, nach drei Monaten und mit dem dritten Rettungsversuch, Elephant Island zu erreichen. Alle 22 wartenden Männer haben ausgeharrt, die Hoffnung nicht aufgegeben und konnten gerettet werden. Am 03. September 1916 traf die Mannschaft in Punta Arenas in Chile ein. 28 Männer, die im Dezember 1914 aufgebrochen waren Richtung Südpool und unglaubliche Strapazen erlebten, kehrten nach 20 Monaten sicher nach Hause zurück, welch ein Wunder!
Das Wetter ist trüb und grau, es bläst uns Schneegraupel ins Gesicht als wir bei Elephant Island draussen auf dem Deck stehen und hinüberschauen zu genau dem Punkt an dem Shackleton seine Männer damals verlassen hat und ins kleine Boot James Caird stieg um Hilfe zu holen in South Georgia. Dick eingepackt in warme Jacken und an Bord eines sicheren Schiffes können wir nur mit einem Hauch nachfühlen wie es damals für die Endurance Mannschaft war hier so viele Monate ausharren zu müssen. „Wale, Wale“ tönt es durch den Wind, wow, da schwimmen sie, nicht nur einer, viele, Finwale, Humpback Wale, Blows schiessen in die Luft, grosse Köpfe tauchen auf, dunkle glatte Walrücken durchschneiden das Wasser und verschwinden wieder, so schön. Lange können wir dieses Schauspiel beobachten, dann dreht die Ocean Victory ab, weiter geht es, dem Eis entgegen.
Wir sind angekommen im Eis auf dem 7. Kontinent, sind umgeben von Bergen, Buchten, Gletschern und schwimmenden Eisklötzen in schönsten Formen und Grössen, weiss, blau schimmernd, glatt, rauh, zerfurcht, mit Löchern, Schlitzen oder geometrisch schön und ohne Makel. Das Wetter ist voller Überraschungen, auf den verschiedenen Ausflügen mit den Zodiacs begleitet uns stahlblauer Himmel und Sonnenschein oder trübes, neblig windiges Wetter und ein unruhiges Meer. Mit zuviel Wind und Wellen können die Zodiacs nicht zu Wasser gelassen werden, es gibt keine Tour. Mit Wind und nicht so viel Wellen gibt es eine Zodiactour oder eine Tour mit Landgang. Die Pläne werden jeden Tag und auch ganz spontan dem Wetter und dem Meer angepasst, alle hoffen natürlich immer auf Letzteres, eine Tour mit Landgang. Wir sind begeistert von dieser Welt hier tief im Süden und geniessen jeden Blick auf die tolle Landschaft und seine Bewohner!
Leider kommt Sturm auf, etwas früher als geplant verlassen wir die Eiswelt, die Ocean Victory segelt mit maximalen Knoten durch die Drakepassage und bringt uns sicher zurück in den Hafen von Ushuaia.
Noch ein paar wenige Tage vergehen, dann landen wir in unserem Heimathafen…wir sind zurück in der schönen Schweiz!
Die letzten Monate hier auf diesem Kontinent waren einmal mehr ein Traum, ein Abenteuer und wunderschön!
























































































































